Aus Dick wird Doof

Haben Sie mal überlegt, was Sie tun würden, wenn Sie mit Nachnamen „Totschläger“ heißen würden? Oder „Lachnummer“? Oder „Blähbauch“?

Auch Sie werden sich schon darüber geärgert haben, dass Ihr Familienname bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Das passiert nicht nur in den sozialen Medien, wo dicke Finger oder die automatische Korrektur ihren Schabernack mit der Schreibweise von Namen treiben. Selbst auf gewöhnlichen Briefpostsendungen finden sich wüste Verschandelungen. Das eine Mal werden zusätzliche Buchstaben hineingemogelt, das andere Mal fehlen welche und geben den Namen damit einen neuen, manchmal drolligen, selten einen schmeichelhaften Sinn.

Das funktioniert unabhängig davon, ob der Name kurz oder lang, häufig oder selten, bildhaft oder abstrakt ist. Im Gegenteil: Gerade Namen, die als Allerweltsnamen gelten wie Müller, Meier, Schmidt und Schulze, bieten sich als kreative Buchstabensuppen an.

Umgekehrt bieten Namen, die Sie und ich als peinlich empfinden würden, den Inhabern die Gewähr, dass ihre Namen korrekt im Gedächtnis haften bleiben. Mein Freund Alf Kuhschwanz kann das bezeugen: „Beim ersten Mal stutzen die Leute, wenn ich mich vorstelle – beim zweiten Mal stelle ich fest: Diesen Namen haben sie sich gemerkt!“

Für alle, die mit keinem eingängigen Namen gesegnet sind oder sich aus den verschiedensten Gründen ihres Namens schämen, gibt es Hoffnung: Sie können sich davon trennen, sprich: den alten ungeliebten Namen durch einen neuen ersetzen. Mitspielen muss dabei das örtliche Standesamt oder Einwohnermeldeamt, das für so etwas zuständig ist. Der Behörde müssen Sie nur einen triftigen Grund nennen, wenn Sie anders heißen wollen als Sie heißen, zum Beispiel, weil über Ihren Namen Witze gemacht werden oder weil Sie damit Beleidigungen ausgesetzt sind. Aber: Eine derartige Namensänderung gibt es nicht zum Nulltarif. Jeder Verwaltungsakt kostet Gebühren, Sie müssen schon ein paar Euro dafür hinblättern.

Eine einfache Alternative wäre: Sie heiraten oder lassen sich adoptieren. Wenn Sie Glück haben, ergattern Sie auf diese Weise gar einen Adelstitel und Sie dürfen sich „von“ nennen. Klingt doch gut, oder?

Apropos heiraten. Manche kommen dabei auch vom Regen in die Traufe. Meinen Augen nicht trauen wollte ich bei dieser Heiratsanzeige: „Manuela geborene Dick beehrt sich hocherfreut ihre Vermählung bekanntzugeben – mit Eugen Doof.“ Na dann: Herzlichen Glückwunsch! Denn wer solch einen Familiennamen trägt, braucht für den Spott gewiss nicht zu sorgen.

© Bruno Busch