Grüße vom Arbeitsamt

WhatsApp ist eine tolle Sache: Sie tippen eine Kurznachricht ein, drücken auf das Pfeil-Symbol – und schon weiß Ihre Liebste, dass Sie in diesem Moment an sie denken. Vorausgesetzt natürlich, sie hat ihr Smartphone eingeschaltet und reagiert auf das Piepen oder Vibrieren, wenn die Nachricht eingeht. Ist das nicht der Fall, ist es auch nicht schlimm. Dann erfährt sie es eben später und kann nicht behaupten, dass sie von Ihnen vernachlässigt wurde.

Völlig schleierhaft ist mir, dass es Leute gibt, die dieses coole Tool nicht nutzen. Weil angeblich der „Große Bruder“ mitliest. Soll er doch! Ich habe keine Geheimnisse, die er nicht kennen darf. Oder weil wir dann mit Werbung überschüttet werden. Auf meinem WhatsApp-Kanal wirbt höchstens mein bester Kumpel dafür, dass ich mich mal wieder auf ein Bier bei ihm blicken lasse.

Apropos blicken lassen: Meine Kinder habe ich schon seit mindestens zwei Jahren nicht mehr gesehen. In echt, meine ich. „In Präsenz“, wie man während der Corona-Pandemie sagte. Sie schicken mir via WhatsApp regelmäßig Fotos, auf denen ich sehen kann, wie ihr neues Auto aussieht oder ihre aktuelle Frisur oder wie meine Enkelkinder wachsen. Das reicht doch. Auf WhatsApp schreiben sie mir zum Geburtstag, zum Namenstag und zu Weihnachten gute Wünsche. Und wenn sie dringend Geld brauchen und in Eile sind, schicken sie mir einfach per WhatsApp eine Sprachnachricht. Dann kann ich ihnen per PayPal aushelfen.

Perfekt freilich sind auch WhatsApp und vergleichbare Dienste nicht. Das liegt aber nicht an ihnen, sondern an uns. Wenn wir zum Beispiel zu blöd sind, die Autokorrektur einzuschalten. Fehler sind menschlich. Und wenn es schnell gehen muss, kann es passieren, dass der Inhalt unserer WhatsApp-Nachricht genau das Gegenteil von dem sagt, was wir eigentlich sagen wollen. Das kann peinlich werden. Wenn ich zum Beispiel meinem Chef whatsappen will, dass ich ihn bei seiner Entscheidung lasse. Und stattdessen schreibe, dass ich ihn bei seiner Entscheidung hasse.

Da hilft dann auch die Autokorrektur nicht weiter. Die kann sogar eigene Stilblüten treiben. Meinem arbeitslosen Cousin ist es so ergangen. Hat er doch mit seiner Frau und seinen sieben Kindern in den Ferien der Kosten wegen keinen Auslands-Urlaub unternommen, sondern den Großen Arber bestiegen. Es wundert mich, dass die da oben überhaupt Netzempfang hatten. Jedenfalls machte er von seiner Großfamilie unterm Gipfelkreuz mit dem Selbstauslöser ein Foto. Das stellte er stolz in seinen WhatsApp-Status und tippte darunter: Viele Grüße vom Arber! Und was machte die Autokorrektur daraus, die den Berg „Arber“ nicht kennt? „Viele Grüße vom Arbeitsamt!“

Ich frage mich nur, ob das wirklich ein Fehler der Autorkorrektur war. Oder ob in diesem Fall tatsächlich der „Große Bruder“ seine Hand im Spiel hatte?